Kohlekraftwerk

Die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden (KMW) planten, auf der Ingelheimer Aue in Mainz ein großes Steinkohlekraftwerk mit 820 Megawatt Leistung. Es sollte 2013 in Betrieb gehen und das aktuelle Gaskraftwerk ersetzen. Pro Jahr würde es rund 4 Mio Tonnen CO2 freisetzen und damit erheblich zum weltweiten Klimawandel beitragen. Nach jahrelangem Widerstand eines breiten Bündnisses, an dem sich auch die Greenpeace-Gruppe Mainz/Wiesbaden beteiligt, hat die KMW im Juni 2012 beschlossen, die Pläne für ein Kohlekraftwerk in Mainz zu beenden und die Baugenehmigung zurückzugeben. Wir begrüßen diesen Schritt und schließen uns den Forderungen an, die bereits erteilten Genehmigungen für das Projekt möglichst zeitnah zurückzugeben und den Weg frei zu machen für die KMW als einen wichtigen Partner für die Energiewende in der Region Mainz/Wiesbaden.

Im Januar 2009 war im Genehmigungsverfahren für das Kraftwerk der Vorbescheid erteilt worden - also eine Art vorläufige Baugenehmigung.

Die Greenpeace-Gruppe Mainz/Wiesbaden unterstützt zusammen mit vielen weiteren Organisationen und Einzelpersonen das  Bündnis für eine kohlekraftwerksfreie Region. Ziel des Bündnisses ist es zu zeigen, dass die Menschen in der Region Mainz/Wiesbaden sich gegen den Bau eines Kohlekraftwerks aussprechen und Menschen zu unterstützen, die gegen das Kraftwerk vor Gericht klagen.

Der Klimawandel und seine Ursachen

Die Folgen des Klimawandels

Was für ein Kraftwerk ist in Mainz geplant?

Fragen und Antworten zum Kohlekraftwerk

Welche Alternativen gibt es?

Presseerklärungen

 


Der Klimawandel und seine Ursachen

Hauptursache für den derzeit stattfindenden Klimawandel ist der enorme Anstieg der Kohlendioxid (CO2) Emissionen durch die Verbrennung fossiler Energieträger seit Beginn der industriellen Revolution von etwa 150 Jahren. Allein 2005 wurden weltweit fast 29 Milliarden Tonnen CO2 freigesetzt. Ca. 41% entstanden bei der Verbrennung von Öl (vor allem im Verkehr), ca. 38% bei der Verbrennung von Kohle (vor allem zur Stromerzeugung durch Kraftwerke). Weitere Quellen für CO2-Emissionen sind die Verbrennung von Gas (zur Heizung), die Abholzung von Urwäldern und die Brandrodung.

Kohle ist unter den fossilen Energieträgern der Rohstoff mit dem höhsten Kohlenstoffanteil. Will man die gleiche Menge Wärme gewinnen, werden aus Braunkohle 3,25 Tonnen, aus Steinkohle 2,68 Tonnen und aus Erdgas „nur“ 1,5 Tonnen CO2 freigesetzt.

In den letzten 100 Jahren stieg die mittlere Jahrestemperatur im weltweiten Durchschnitt bereits um 0,7 Grad Celsius. In Deutschland ist die mittlere Jahrestemperatur im letzten Jahrhundert noch stärker gestiegen und zwar um 0,9 Grad, in den Alpen sogar um 1,5 Grad. All das hört sich nicht viel an, doch es zieht gewaltige Auswirkungen nach sich. Von der letzten Eiszeit, die Nordeuropa unter Schnee und Eis begrub, trennt unsere Zeit nur eine Differenz von noch nicht einmal vier Grad Celsius im Jahresmittel.

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Die Folgen des Klimawandels

Im Auftrag des Umweltbundesamtes hat das Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg Szenarien für mögliche Klimaänderungen in Deutschland bis zum Jahr 2100 erarbeitet. Je nach Anstieg der Treibhausgase könnten danach die Temperaturen bis zum Ende des Jahrhunderts vor allem im Süden und Südosten Deutschlands um durchschnittlich mehr als 4 Grad ansteigen.

Die Sommer werden trockener, die sommerlichen Niederschläge könnten bis um 30% abnehmen. Das heißt, Hitzewellen wie in den letzten Jahren werden noch häufiger auftreten und heftiger werden. Es kommt zu Dürreperioden. Die Winter in Deutschland werden feuchter. Es wird weniger schneien, stattdessen werden die Regenfälle um bis zu 30% zunehmen. Damit steigt die Hochwassergefahr im Frühjahr.

Auf anderen Kontinenten sind zum Teil noch extremere Folgen zu erwarten. Besonders in Afrika fehlen wirtschaftliche und technische Ressourcen, um dem Klimawandel zu begegnen. Die Menschen vertrauen auf durchschnittliche Niederschläge und könnten mit einer weiteren Ausbreitung der Wüste, dem Aussterben von Pflanzen- und Tierarten, stärkeren Überschwemmungen und daraus resultierenden Einbußen bei Getreideerträgen sowie der vermehrten Verbreitung von Krankheitserregern schwer umgehen. Die bereits eingeschränkte Entwicklung des Kontinents würde weiterverringert. Bäuerliche Lebenssicherung (wie Einkünfte aus Tourismus) wären gefährdet.

Mehr zum Thema Klima erfahren Sie auf der Website von Greenpeace-Deutschland.

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Was für ein Kraftwerk ist in Mainz geplant?

Die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden (KMW AG) planten, auf der Ingelheimer Aue eine Steinkohlekraftwerk mit 820 Megawatt Leistung. Es wäre damit doppelt so groß wie das zur Zeit laufende Gaskraftwerk. Befeuert werden sollte das Kraftwerk mit Importsteinkohle, die auf dem Weltmarkt eingekauft wird (z.B. Kolumbien, Australien). Das Kraftwerk sollte etwa 2013 in Betrieb gehen und eine Laufzeit von ca. 40 Jahren haben.

Die Kohle sollte mit dem Binnenschiff (2-3 Schiffe pro Tag) in Mainz angeliefert werden. Dort wäre sie umgeladen und bis zum Verbrauch in drei großen Kohlebunkern am Rheinufer gelagert worden.

Gekühlt werden sollte das Kraftwerk mit Rheinwasser, weil das am billigsten ist. Wenn der Rhein im Sommer zu wenig Wasser führt oder das Rheinwasser durch das Kraftwerk zu stark aufgeheizt würde, soll ein Ventilator-Kühlturm (60m hoch) genutzt werden.

Im Juli 2006 hat der Aufsichtsrat der KMW einen Grundsatzbeschluss zum Bau der Kraftwerks gefasst. Im Oktober 2007 wurde der Genehmigungsantrag gestellt. Der Vorbescheid war im Januar 2009 erteilt worden. Nachdem die Pläne aufgrund der Finanzkrise im Sommer 2009 zunächst auf Eis gelegt worden waren, hat die KMW im Juni 2012 beschlossen, das Projekt nicht mehr weiter zu verfolgen.

 

Der Kraftwerkspark der KMW AG

Die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden sind ein Tochterunternehmen der regionalen Energieversorgungsunternehmen Stadtwerke Mainz und Stadtwerke Wiesbaden. Vermarktet wird der Strom der KMW über die ESWE in Wiesbaden und die Entega in Mainz und Darmstadt. Die HSE aus Darmstadt wollte sich mit einem Baukostenzuschuss am Kraftwerk beteiligen und dafür Strom aus 120 MW Kraftwerksleistung beziehen.

Zur Zeit betreibt die KMW auf der Ingelheimer Aue zwei Kraftwerke:
Das Kraftwerk 2 (KW 2), ein Gas-Kombiblock, stammt aus dem Jahre 1976. Es hat 350 Megawatt installierte Leistung und wird nur noch als Reserve bzw. in Zeiten sehr hoher Stromnachfrage auf dem Spotmarkt eingesetzt.
Das Kraftwerk 3 (KW 3) ist eine so genannte GuD-Anlage, die mit zwei Turbinen (Gas- und Dampfturbine) arbeitet und deshalb einen höheren elektrischen Wirkungsgrad von 58% erreicht. Die Abwärme aus dem Kraftwerk wird nicht komplett in den Rhein geleitet, sondern zu einem erheblichen Teil als Prozess- und Fernwärme genutzt. Dadurch erreicht das KW3 einen maximalen Wirkungsgrad von über 70%.  Das KW 3 ging im Jahr 2001 in Betrieb, hat ca. 400 MW Netto-Leistung und einen Kohlendioxid-Ausstoß von ca. 350 g/kWh.

Geplant war das Steinkohlekraftwerk KW 5 mit einer Leistung von 820 MW.  Die Kohlendioxid-Emissionen pro Kilowattstunde würden sich auf 750g mehr als verdoppeln. Der jährliche CO2-Gesamtausstoß wird von den Stadtwerken mit ca. 4 Millionen Tonnen CO2 angegeben. Wenn das Kohlekraftwerk in Betrieb gegangen wäre, sollte das Gas-GuD-Kraftwerk nur noch als Reserve genutzt und der alte Gas-Kombiblock vollständig stillgelegt werden. Das KW5 hätte mit ca. 46% einen schlechteren elektrischen Wirkungsgrad als das KW3, weil es nur mit einer Dampfturbine arbeitet. Beim KW5 sollte ein kleiner Teil der Wärme zum Heizen ausgekoppelt werden. Der Wirkungsgrad lässt sich dadurch jedoch nur auf ca. 50% steigern. Der Rest der Energie wäre über die Kühlung in den Rhein oder die Atmosphäre abgegeben worden.

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Download: Fragen und Anworten zum Kohlekrafwerk. Stand: November 2007

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Welche Alternativen gibt es?

Um den Klimawandel zu vermeiden, muss die Energieversorgung in den nächsten 100 Jahren komplett umgebaut werden. Die fossilen Brennstoffe Öl und Gas gehen zur Neige. Langfristig können wir unsere Energie nur aus regenerativen Energieträgern wie Sonne, Wind, Erdwärme und Biomasse gewinnen. Dieser Umbau ist ein langfristiger Prozess, mit dem wir heute beginnen müssen, um ihn langsam und ohne harte Einschnitte durchzuführen zu können.

Gerade deshalb ist es wichtig, heute in Energieeffizienz und erneuerbare Energien zu investieren und diese Energien Schritt für Schritt auszubauen. Heute tragen die regenerativen Energien rund 10% zur Stromversorgung bei. 2050 sollten es mindestens 50% sein, im Jahr 2100 100%. Wenn sich die KMW jedoch für den Bau des Steinkohlekraftwerks entschieden hätte, wäre der Mainzer Strom bis zum Jahr 2050 zum allergrößten Teil aus klimaschädlicher Kohle erzeugt worden.

Greenpeace hat im einer Studie am Beispiel eines von RWE geplanten Braunkohlekraftwerks nachgewiesen, dass es möglich ist, Grundlastkohlekraftwerke klimaschonend durch einen Mix aus erneuerbaren Energien und Erdgas zu ersetzen.

Dazu die Langfassung zum Download.

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Presseerklärungen

Presseerklärung vom 14. Juli 2005: Greenpeace fordert von OB Beutel Verzicht auf neues Kohlekraftwerk

Presseerklärung vom September 2006: Mainz - Stadt voll Energie / SPD-Woche der Energie: Greenpeace fordert SPD zu Kehrtwende bei Kohlekraftwerk auf

Presseerklärung vom 13. November 2006: 
Umweltgruppen gehen mit Einwohnerantrag gegen Bau des Kohlekraftwerks vor.

Presseerklärung vom 04.12.2006: 
Kohlekraftwerke sollen für Klimazerstörung zahlen

Pressemitteilung vom 17.01.2007: 

Umweltgruppen überreichen Oberbürgermeister Unterschriften für Einwohnerantrag

Presseerklärung vom 30.01.2007:
Umweltgruppen enttäuscht über Stadtratsvotum gegen Klimaschutz

Presseerklärung vom 12.05.2007:
Mehr als 99 Luftballos - Klimaschutz statt Kohleschmutz

Presseerklärung vom 29.05.2007:
Greenpeace fordert Klarheit über Darmstädter Beteiligung am Kohlekraftwerk

Presseerklärung vom 21.09.2007:
Neues Kohlekraftwerk ist Gift fürs Klima - Greenpeace fordert Stopp der Planungen für das Kohlekraftwerk auf der Ingelheimer Aue

Presseerklärung vom 22.09.2007:
Leuchtender Protest - Greenpeace startet erfolgreich seine Anti-Kohletour in Mainz

Presseerklärung vom 16.05.2008:
Greenpeace fordert klimaschutzorientierten Gesetzesvollzug

Presseerklärung vom 25.04.2009:
Spielend einfach Stromanbieter wechseln - Umweltpolitisches Straßentheater auf dem Neubrunnenplatz

Presseerklärung vom 27.02.2012:
Neuer OB soll Kohlekraftwerk stoppen!


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Download: Chronologie zum Kohlekraftwerk

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